Geschichte

Diabetesberatung in der deutschen Schweiz

Anfang der 70er-Jahre wurden die ersten Diabetesberatungen in Polikliniken, Diabetesgesellschaften und Arztpraxen durch Krankenschwestern, Arztgehilfinnen und Laien durchgeführt.

1978
Das Bedürfnis nach Erfahrungsaustausch unter Diabetesberaterinnen liess 1978 ein erstes Treffen in Olten entstehen. Diese Gruppe traf sich anfänglich alle 4-6 Wochen und nannte sich „Interessengruppe für diplomierte Krankenschwestern in der Diabetesberatung, die sogenannte Oltener Gruppe“. Sie erarbeitete Merkblätter für Diabetesbetroffene, organisierte Fortbildungen und überprüfte geeignetes Schulungsmaterial.
Daneben entstanden in der deutschen Schweiz 4 regionale Gruppen, in denen sich Krankenschwestern aus der Diabetesberatung trafen (Ostschweiz, Innerschweiz, Raum Basel, Raum Bern).

1986
Der „1. Ausbildungskurs für Diabetesschwestern“ wurde während einer dreiwöchigen Klausur in Delémont unter der Leitung von Prof. W. Berger aus Basel durchgeführt.

1987
Die Oltener Interessengruppe wurde vom Schweizer Berufsverband der Krankenschwestern und Krankenpfleger (SBK) als „Interessengruppe Diabetesschwestern deutsche Schweiz SBK“ anerkannt.  In der Folge fanden vierteljährliche Treffen statt, um berufspolitische Fragen wie Berufsbild, Stellenbeschreibungen oder Ausbildung zu behandeln und Fortbildungen für die Mitglieder anzubieten. Erstmalig wurde erreicht, dass im Sinne der Professionalisierung ausschliesslich diplomierte Pflegende zur Weiterbildung in Diabetesberatung zugelassen wurden.

1988
Die „Beratungssektion der Schweizerischen Diabetesgesellschaft“, ein Zusammenschluss von Diabetesschwestern/-pfleger und ErnährungsberaterInnen, wurde gegründet. Ihr Ziel war die Verbesserung der Schulung und Beratung, Weiterbildung und Erfahrungsaustausch. Die Beratungssektion SDG bot in der Folge jeweils eine Frühlings- und eine Herbsttagung an.

1989/90
Die erste berufsbegleitende Weiterbildung zur „Diabetesfachschwester/zum Diabetesfachpfleger“ fand statt, organisiert durch die Fachstelle für Fortbildung des SBK.

1992
Eine Arbeitsgruppe der IG überarbeitete alle vorhandenen Diabetes-Merkblätter der deutschen Schweiz und stellte diese ihren Mitgliedern zur Unterstützung der Schulung von Diabetesbetroffenen zur Verfügung.

1996/97
1996 wurde die „Interessengruppe Diabetesschwestern deutsche Schweiz SBK“ aufgelöst. Die Gruppe war für die damalige Organisationsform zu gross geworden, vor allem aber wurde nach der Phase der Abgrenzung von anderen Berufsgruppen wieder eine Öffnung im Sinne einer interdisziplinären Zusammenarbeit gewünscht. Dies war nun möglich durch einen Zusammenschluss mit den ErnährungsberaterInnen in der Beratungssektion SDG. Ressourcen und Kräfte konnten so gebündelt werden.
Die regionalen Interessengruppen für Diabetesfach- schwestern wurden beibehalten und deren Aktivitäten verstärkt.

1996/97 wurde die Weiterbildung für Diabetesfachpersonen vom SBK zur Höheren Fachausbildung Stufe 1 (Höfa 1) ausgebaut. Sie wird bis heute im Modulsystem angeboten und schliesst mit einem Fähigkeitsausweis Höfa I ab

2000
Durch die starken Veränderungen im berufs- und gesundheitspolitischen Umfeld entstand in der deutschen Schweiz wieder verstärkt das Bedürfnis nach einer eigenständigen Interessengruppe für Diabetesfachpflegende, die sich explizit für die berufspolitischen und fachspezischen Belange der Berufsangehörigen einsetzt. 2001 wurde daher die „Schweizerische Interessengruppe für Diabetesfachpflege
und -beratung der deutschen Schweiz“ unter dem Dach des SBK gegründet. Mit dieser Namensgebung wurde auch die neue Entwicklung seitens des Gesetzgebers berücksichtigt, der für Krankenschwestern die neue Berufsbezeichnung „diplomierte Pflegefachfrau“ vorsah. Diabetesschwestern und -pfleger wurden damit in Diabetesfachpflegende oder Pflegefachpersonen in der Diabetesberatung umbenannt. Die regionalen Interessengruppen für Diabetesfachschwestern blieben wiederum eigenständig aktiv, neu in 5 Regionen (Ostschweiz, Innerschweiz, Raum Basel, Raum Bern, Raum Aargau-Solothurn).
In den folgenden Jahren wurde deutlich, dass mit den Umwälzungen im Gesundheitswesen und den neuen beruflichen Anforderungen die bisherige Trennung der Diabetesfachberaterinnen in Interessengruppen der unterschiedlichen Sprachregionen der Schweiz ihre berufspolitische Position eindeutig schwächt.

2007
Mit der Gründung der „Gesamtschweizerischen Interessengruppe für Diabetesfachberatung“ (SIDB) unter dem Dach des SBK entstand erstmalig eine nationale Vereinigung für alle Pflegefachpersonen in der Diabetesberatung. Diese Fusion war dringend nötig geworden, da nur als gesamtschweizerische Gruppe zusammen mit dem SBK die  Interessen gegenüber Behörden und Institutionen im Machtpoker des Gesundheitssystems durchgesetzt werden können. Ausserdem soll mit dieser Bündelung von Wissen und Fähigkeiten aller DiabetesfachberaterInnen der Schweiz die Bedeutung der Diabetesberatung für die Versorgung von Menschen mit Diabetes besser sichtbar gemacht werden. Jede Gruppe aus den drei Sprachregionen behält ihre vorherigen Unterstrukturen bei und kann so in spezifischen Projekten weiterhin unabhängig agieren – in Absprache mit dem gemeinsamen Vorstand.

Diabetesberatung in der Romandie

1986
Unter dem Vorsitz von Monique Kreinofer fand die erste Sitzung der französischsprachigen Interessengruppe der Diabetespflegefachpersonen statt. Ziel war, sich beim Schweizer Berufsverband der Krankenschwestern und -pfleger (SBK), der Ärzteschaft und der Schweizerischen Diabetesgesellschaft bekannter zu machen. Ausserdem sollte auf die spezialisierte Ausbildung aufmerksam gemacht werden, um Diabetesberatungen professionell von spezifisch geschultem Personal durchzuführen
Unter dem Vorsitz von Martine Lorini konzentrierte die Gruppe ihre Anstrengungen auf die Erarbeitung eines Ausbildungsprogramms und dessen Anerkennung durch den SBK.

1992
wurde das Ausbildungsprogramm durch den SBK anerkannt. Damit war die wichtigste Aufgabe erfüllt. Unter der neuen Präsidentin, Rose-Marie Dumoulin, wurde die regelmässige Weiterbildung als neue Zielsetzung festgelegt. Eine vom Vorstand durchgeführte Umfrage zeigte, dass die Mitglieder an regelmässiger Weiterbildung sehr interessiert waren. Der erste Weiterbildungskurs fand am 24./25. Oktober 1992 in Lugano statt. Um den Anlass teilweise zu finanzieren, wurden die ersten Sponsoren gesucht.

1997
Luz Perrenoud wurde als neue Präsidentin gewählt. Die jährlichen Weiterbildungswochenenden wurden für das auf Diabetes spezialisierte Pflegefachpersonal der französischen und italienischen Schweiz unverzichtbar.Ein wichtiger Meilenstein war die offizielle Anerkennung der Höheren Fachausbildung Stufe 1 (Höfa 1)  in Diabetesfachberatung durch den SBK im Jahr 1999.

2007
Die Interessengruppen der Westschweiz, des Tessin und der  Deutschschweiz schlossen sich zusammen. Die Schweizerische Interessengruppe für Diabetesfachberatung (SIDB) war geboren. Luz Perrenoud wurde zur ersten Präsidentin gewählt.
Seit der Gründung der SIDB unter dem Dach des SBK besteht zum ersten Mal eine nationale Einheit, die das gesamte Diabetespflegefachpersonal der Schweiz vertritt. Das erklärte Ziel ist es, die gemeinsamen Interessen gegenüber Behörden und staatlichen Institutionen zu vertreten und sich als gesamtschweizerischer Fachverband aktiv an der Berufsentwicklung und Gestaltung des Gesundheitswesens zu beteiligen.
Die SIDB ist in die drei regionalen Unterverbände Westschweiz, Tessin und Deutschschweiz gegliedert. Jede Sprachgruppe hat ihre vorherigen Strukturen beibehalten und kann, in Absprache mit dem SIDB-Vorstand, bestimmte Projekte verfolgen und vorantreiben. In der SIDB können Wissen und berufliches Know-how gesamtschweizerisch gebündelt werden, was allen Menschen mit Diabetes in der Schweiz letztendlich zugute kommt.

 


Diabetesberatung in der Italienischen Schweiz

1976
Angefangen hat alles, als 1976 die lokale Diabetesgesellschaft gegründet wurde. Über drei Jahrzehnte wurde sie mit grossem Engagement von einem Arzt, Dr. Tatti präsidiert. Die Geschäftsführung übernahm das Ehepaar Della Casa.
Die Diabetesgesellschaft Tessin bot in Zusammenarbeit mit Ärzten und paramedizinischem Personal Instruktion, Information und vor allem die Sommerlager für junge Diabetiker an. Ausserdem kümmerte sie sich um rechtliche Fragen und unterstützte wissenschaftliche und soziale Forschungen. Raffaele Sciarini, selbst Diabetiker Typ 1, war ihr Präsident.
Die erste Diabetesberaterin war Martine Lorini, eine “Infermiera Clinica in Diabetologia”, die einige Jahre im Ospedale La Carità in Locarno arbeitete.

1991
Roberta Riganti absolvierte die Ausbildung als Diabetesberaterin in Lausanne und baute in der Folge eine ambulante Diabetesberatung im Ospedale San Giovanni in Bellinzona auf. Über viele Jahre organisierte sie Gruppenschulungen ambulant und stationär. Heute arbeitet sie mit Dr. Balice, einem Diabetologen in der Pädiatrie zusammen.
Weitere Pflegefachfrauen bildeten sich in Lausanne und in Zürich aus. Es bestehen inzwischen Diabetesberatungsstellen in allen kantonalen Spitälern, in einem Privatspital und in verschiedenen Arztpraxen.

2002
Die Interessengruppe für Diabetesberatung der italienischen Schweiz wurde gegründet. Sie beteiligte sich an den Aktivitäten der SIDB und übte einen regen Austausch mit den welschen Kolleginnen. Der Wunsch, zu einer einzigen schweizerischen Interessengruppe zusammenzuwachsen, wuchs. Die IG Tessin beteiligte sich aktiv an den Verhandlungen in Bern.

2007
Die SIDB und die GICID fusionierte am 23. Juni 2007 in Luzern. Die italienische Schweiz ist im Vorstand durch ein Mitglied vertreten.